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 Die Nachtwächter-Rundgänge 2010

  26. 11. 2010

 

 

Offiziell vereidigt und somit zum ehrenvollen Dienst für die Stadt Dieburg zugelassen wurden am 26. November 2010 die Nachtwächter des Heimatvereins. Nach der Vereidigung durch Schultheiß Dr. Werner Thomas (2. v. r.) nahmen die Nachtwächter ihre Arbeit auf und führten ihre Gäste durchs geschichtsträchtige Dieburg.

Text und Foto: L. Hombach/Dieburger Anzeiger

 

 

Vater trinkt, Mutter drängt es nach Amerika. Auswandern ist die letzte Chance, die sich der fünfköpfigen Familie noch bietet. Man ist so arm, dass sich sogar die Mäuse im Brotkasten Blutblasen laufen. Dieses Los einer Dieburger Familie, das der Heimatverein in einer Szene bei den Nachtwächterrundgängen darstellt, spiegelt die Situation im Jahre 1846 wider. Missernten, Arbeitslosigkeit und Armut waren damals die Beweggründe, Anträge zur Ausreise zu stellen, was 148 Familien beim Dieburger Gemeinderat taten.

 Mit viel Hingabe probten die Darsteller seit sechs Wochen diese Szene. „ Unsere Jüngsten mussten erst mal Dialekt lernen"„ erzählt Heimatvereins-Vorsitzende Maria Bauer lächelnd. Die Idee stammt von der Vorsitzenden des Vereins, der Text ist eine Gemeinschaftsproduktion. Mit Requisiten aus dem Bestand des Vereins sowie Leihgaben Dieburger Bürger werden die Besucher nach „anno dazumal" versetzt.

Die nächsten Nachtwächterrundgänge, in deren Verlauf die Teilnehmer nicht nur die Auswanderer-Familie, sondern auch eine zweite historische Szene in der Apotheke zu sehen bekommen, sind jeweils freitags, 3., 10. und 17. Dezember, Beginn ist um 18.00 sowie um 18.30 Uhr

Text Dieburger Anzeiger/Scholze, Foto Schirling


 


Heimatverein präsentiert Ourewäller Guggugg

17. Oktober 2010, Badhaus

 


 

Heimatverein präsentiert Ourewäller Guggugg

 Zu einem kurzweiligen Programm mit Jürgen Poth hatte der Heimatverein am Sonntagabend, 17. Oktober, ins Badhaus geladen, wo der „Guggugg" mit Dreispitz und Gitarre bekannte und unbekannte Lieder aus der Region darbot.

 Unter großem Gelächter und viel zustimmendem Kopfnicken verfolgten die Besucher den „Ourewäller Sprachkurs" und sparten nicht am Applaus. Neben dem „hessischen Gebabbel" folgten Lieder über den „Monsignore aus Rheinhessen" oder ein Liebeslied über die „Scholzegret". Da sich die Liebe ja bekanntlich nicht immer so einfach gestaltet, ließ der „Guggugg" wie im Fernsehen gleich eine Fortsetzung, eine Telenovela, folgen und besang das tragische Ende der Liebesgeschichte. Und passend zur gereichten Suppe stimmte er das Lied auf die „Kadoffelernt" an. Dabei stellte er aber fest, dass das, was wir als Kartoffel essen, kaum noch danach aussieht, sondern statt vom Feld aus der Tiefkühltruhe in Form von Pommes, Wedges und Röstis auf den Tisch kommt.

Der Mundartsänger ist seit einigen Jahren über die Grenzen des Odenwaldes hinaus bekannt. Geboren in Zeilhard und aufgewachsen in Spachbrücken entdeckte der „Guggugg" während eines Irland-Urlaubs die Liebe zur Musik. „Ich möchte mit meinen Liedern und Texten das alte Brauchtum und die Mundart pflegen und diese auch jüngeren Leuten wieder näher bringen", so Poth.

 Viele Inhalte seiner Lieder beschreiben eigene Kindheitserinnerungen und Erlebnisse aus der so genannten guten alten Zeit. Aber auch spontan entstehen neue Texte für „Liedschen un Versjen", erklärt Poth: „Eben wie das Leben so spielt“. Und wenn er Tiere besingt, stammen sie natürlich auch aus dem Odenwald: „Roahinggel - das ist eine ourewäller Geflügelart, die an schrägen Ackerrainen lebt", erfährt da der verdutzte Zuhörer. Und siehe da, die Evolution hat dem Tier im Laufe der Zeit ein kurzes und ein langes Bein verpasst. Und das ermöglicht dem Hinkel trotz schiefer Ebene den aufrechten Gang.

Text:Dieburger Anzeiger-Verena Scholze/H. Schirling, Fotos: V. Scholze 1, Schirling 2

 
 

 

 

 

 

 

 

17. September 2010

Zwangsarbeiter in der Grube Messel

 Dr. Franz-Jürgen Harms berichtete über die Geschichte der Grube Messel und über die Arbeitsbedingungen beim Abbau des Ölschiefers sowie bei der Erschwelung von Öl und Paraffin. Einen besonderen Schwerpunkt legte er auf den Einsatz von kriegsgefangenen Fremdarbeitern während des Ersten und des Zweiten Weltkrieges. Anhand von hervorragend aufbereiteten Bildern aus einem Familienalbum illustrierte er seinen Vortrag.
 

 

 27. Juli 2010

HVD-Vorstand besichtigt die Ausstellung Dieburger Dreiecksrennen

 
 
Dr. Norbert Gottlieb führte den Vorstand des HVD samt Angehörigen sachkundig durch die Ausstellung im Museum Schloß Fechenbach.

 

 

 


 



 2. Juli 2010

Hexenjagd, Szenische Lesung des Heimatvereins im Klostergarten

 

 

 Dr. Horst Gebhard erinnerte an die düstere Zeit der Hexenprozesse

Dieburg (ula)  „Jeder, der in irgendeiner Weise aus dem gesellschaftlichen Rahmen fiel, wurde der Hexerei angeklagt", ist die Quintessenz der Studien Dr. Horst Gebhards. „Die Hexenverfolgung im Mittelalter ist auch ein dunkles Dieburger Kapitel." Der Theologe hat über das Thema „Hexenprozesse im Kurfürstentum Mainz" promoviert. Am 2. Juli stellte er Passagen seiner gleichnamigen Novelle bei einer Veranstaltung des Heimatvereins Dieburg e. V. vor. Trotz sengender Hitze im üppig blühenden Kapuzinergarten stellte sich angesichts vieler dramatischer Schilderungen des Hexenwahns im 17. Jahrhundert bei den Zuhörern ein Gänsehautgefühl ein.

Der Mainzer Erzbischof Georg Friedrich Greiffenclau von Vollrads (1573 -1629) hatte der Hexenverfolgung zu dramatischer Intensität verholfen. 1000 Menschen wurden in seiner relativ kurzen Amtszeit gefoltert und auf dem Schei­terhaufen verbrannt. Auch die Dieburger Bevölkerung ereilte die unbarmherzige Hatz nach Hexen und Zauberern. Angeblich soll die Mutter des damaligen Paters Päth erstes Opfer des blutigen Regiments von Greiffenclaus gewesen sein. Bei seinem ersten Besuch in Dieburg 1626 sorgte er mit einer ganzen Welle von Prozessen für die „Ausrottung des Lasters". 1627 sollen 36 Hinrichtungen erfolgt sein, ein damaliger Pfarrer schrieb sogar von 89 „Hexen”, die auf dem Henkerskarren zum Richtplatz bei Münster gebracht wurden. Zwei Jahre später rollte eine weitere Prozesswelle über das 500-Seelen-Städtchen herein.

Text: Dieburger Anzeiger, 8.7.2010, leicht geändert und gekürzt. Fotos: Schirling

 



 

5. Juni 2010

Heimatverein bei Dieburg in Blau

 

Altes Handwerk findet sein Publikum

Der Heimatverein hatte sich dieses Mal eine ganz besondere Aktion ausgedacht: Im Hof der ehemaligen Süßmosterei Jakob zeigte beispielsweise Josef Thomas an einer Schnitzbank, was ein Wagner früher alles herstellte. Erstaunt nahm ein Junge die großen Bleilettern in die Hand, mit denen Boy Sühl zeigte, wie früher Texte gesetzt wurden. „Das war, bevor es Computer gab“, klärte der Vater auf.

Astrid Kreuz zeigte ein altes Handwerk am modernen Spinnrad und nebenan konzentrierte sich Ellen Terjung auf das für Laien undurchschaubare Spitzenklöppeln. Kathie Rogath demonstrierte, wie man die Sitzfläche eines Stuhles flicht. Eine ganz besondere Vorstellung gab „Bader“ Eberhard d'Orville, der sich lebende Objekte für seine Kunst suchte. Dabei floss sogar Blut - allerdings kein blaues.

Dieburger Anzeiger vom 7.6.2010, Auszug.

 

 

 

2 Fotos Dieburger Anzeiger
 
 

 

 

 

 

 

2 Fotos H. Schirling

 

 



 

 2. Juni 2010

Hans Dörr erhält die Ehrenplakette der Stadt Dieburg

 

 

Dieburg (mj)    Die Ehrenplakette der Stadt Dieburg wird nur äußerst selten vergeben. Vier Auszeichnungen gab es bisher, jetzt gesellte sich zu dem kleinen erlesenen Kreis noch ein weiterer Träger hinzu: Hans Dörr.

Im Schloss Fechenbach wurde dem passionierten Heimatforscher die Ehre zuteil. Das Rahmenprogramm, zu dem unter anderem eine klassische Musikeinlage von Ingeborg Zimber und Manfred Müller sowie Vorträge, beziehungsweise Gedichte von Maria Bauer und Elisabeth Förster gehörten, hatte der Heimatverein organisiert.  Der Ehrung von Dörr ging ein einstimmiger Beschluss der Stadtverordnetenversammlung voraus. Wie deren Vorsteher Dr. Harald Schöning in seiner Laudatio sagte, habe der 78-Jährige zahlreiche Publikationen und Schriften über Dieburg verfasst. In allen Jahrbüchern des Heimatvereins sei er mit vielen Artikeln vertreten und in örtlichen wie überörtlichen Archiven bestens bekannt. „Hier ist wirklich einer vom Enthusiasmus der Geschichte gepackt“, konstatierte Schöning. Sein Dank ging dabei auch an den Heimatverein, dass dieser Gleichgesinnte zusammen bringt.

Bürgermeister Werner Thomas sagte, dass er es als ehemaliger Lehrer besonders zu schätzen wisse, wie wichtig die Detektivarbeit Dörrs ist, wenn dieser Schriften in Latein oder Altdeutsch entziffert, die heute kaum noch jemand lesen könne. „Vor allem das Interpretieren macht die Sache dann spannend und bringt den Erfolg“, führte der Bürgermeister an.

Ein Dankeschön ging von allen Rednern auch an Elisabeth Dörr, die es immer akzeptiert habe, dass ihr Mann regelmäßig für viele Stunden in den Archiven verschwindet. In seiner Dankesrede schloss der Heimatforscher seine Frau ebenfalls mit ein. So wäre mancher Wanderurlaub verkürzt ausgefallen, weil auf dem Rückweg noch ein Abstecher ins Münchner Staatsarchiv folgte.

Ein Dankeschön hatte auch der Schaafheimer Bürgermeister Reinhold Hehmann parat: „Wenn unsere Ehrungsordnung es vorsähe hätte ich heute noch eine zweite Plakette dabei“, lobte er die Verdienste Dörrs um die Schaafheimer Heimatgeschichte, die dem Engagement in Dieburg kaum nachstehe.

Foto und Text (gekürzt): Dieburger Anzeiger/Just, 7.6.2010.

 

 

 

Meine Stadt

Gedicht von Maria Bauer

 

Meine Stadt – in der ich geboren bin.

Meine Stadt - wo ich das ganze Jahr im Schlossgarten, wie schon der große Dichterfürst Goethe, lustwandeln kann.

Meine Stadt – in der die Menschen mich freundlich grüßen und wo ich Samstags auf dem Wochenmarkt einkaufen gehe.

Meine Stadt – wo in der Zuckerstraße die Fachwerkhäuser wie Perlen aneinander gereiht sind und wo sich die jungen Mütter mit ihren Kindern am Fastnachtsbrunnen treffen.

Meine Stadt – wo im Mai endlich die Freibadsaison eröffnet wird und wo ein Fest das andere jagt.

Meine Stadt - in der sich schon die Römer wohlfühlten und Adelsgeschlechter am Hofe des Schlosses Fechenbach wohnten.

Meine Stadt – deren Geschichte bis heute noch nicht gänzlich erforscht ist und wo in der dunklen Jahreszeit Nachtwächter um die Häuser ziehen und mit ihren Laternen die Straßen erleuchten.

Meine Stadt – in der auch an den Bäumen der Zahn der Zeit nagt und sie gefällt und durch neue ersetzt werden müssen.

Meine Stadt - in der ich höre, von welcher Kirche gerade die Glocken läuten.

Meine Stadt – in der ich mich zu Hause fühle.

Meine Stadt - wer kann das schon behaupten?

Eigentlich nur Kaiser und Könige!

 

 

 

 



 

 24. Mai 2010

Fahrt zur Mühle nach Niederdorfelden

 

Am Pfingstmontag unternahm der Heimatverein Dieburg anlässlich des Mühlentags eine Fahrt nach Niederdorfelden bei Bad Vilbel. Der dortige Mühlenverein hat eine alte Öl- und Getreidemühle wieder hergerichtet und hervorragend renoviert.

Mit einer kompetenten Führung ging es zunächst zu der idyllisch gelegenen Burgruine der Hanauer Grafen und dann in  die Mühle. Für Technik-Fans und historisch Interessierte  war das ein Augenschmaus:  High-Tech in Holz  mit einem  aufwendigen  umschaltbaren Getriebe für beide  Mahlwerke.  Nach der Besichtigung war für Essen und Trinken gesorgt  und wer  rechtzeitig  reserviert hatte,  konnte noch  ein frisch gebackenes  Sauerteigbrot mit nach Hause nehmen.

 

 

 

 

 

 



 10. 4. 2010 

Heimatverein lud zum Mahl mit den Henkersgattinnen ein

 

Dieburg (ula) Selten nahmen die zum Tode verurteilten ihr Henkersmahl mit soviel Freude ein: Rund 30 Gäste ließen sich am Samstagabend Brühe aus der Folterküche und Fleischgerichte, auf dem Scheiterhaufen gegart, munden. Abgerundet wurde die ungewöhnliche Mahlzeit im „Badhaus“ vom drohenden Gebaren des Henkers, der mit Schwert und Strick anrückte, um die Todesurteile zu vollstrecken.

 

 

 

 

Scharfrichter Hans-Christian Wagner kannte mit der Vollstreckung auch bei den „Weibsleuten“ Jutta Failing und Christiane Wagner (r.) keine Tabus. ©Fotos Friedrich und Schirling

Das Schicksal Dieburger Sünder erlebten die Gäste der Veranstaltung des Heimatvereins als ein lukullisches Event, gespickt mit vielen historischen Details. Henker und Scharfrichtergattinnen in zeitgenössischen Kostümen entführten das Publikum auf eine Zeitreise in die dunkle Vergangenheit des 18. Jahrhunderts.

Die armen Sünder hatten wochenlang im Stock dahingesiecht, doch kurz vor der Exekution gab es das Henkersmahl“, mit historischen Details stimmten die Kunsthistorikerin Jutta Failing und die Journalistin Christiane Wagner ihr Publikum ein. Als Grundlage ihres schillernden Spiels diente die gemeinsame Publikation „Vielmals auf den Kopf gehacket...“, ein Buch rund um das hessische Henkerhandwerk des 18. Jahrhunderts.

Ein Galgen stand in der Nähe zu Münster

Menschenfett auslassen, Finger abschneiden, Haut abziehen... kaum ein blutiges Detail blieb den Gästen erspart, als die beiden Scharfrichtergattinnen ihr schauriges Handwerk detailreich schilderten. „Den Sekreten der Kadaver wurde eine heilende Wirkung nachgesagt“, erläuterten die Frauen. Als Scharfrichter Hans-Christian Wagner im Publikum Schweinediebe und Ehebrecher ausmachte, war die Stimmung im Saal perfekt. „Eigentlich bin ich Chemiker“, verriet der vermeintliche Scharfrichter.

Lokalhistorische Details konnten die Heimatforscher ebenfalls liefern. Eine historische Karte zeigt den Standort des Galgens nahe Münster. Mit Beginn des 30-jährigen Krieges wurde der Galgen zur Abschreckung zentral auf den Marktplatz verlegt. Aufgrund der Kirchenbücher wurde die Existenz eines eigenen Dieburger Henkers nachgewiesen, der Diebe, Ehebrecher, Kindesmörderinnen und andere Sünder mit Schwert und Strick hinrichtete. Während der Hexenverfolgung sollen rund 100 Menschen in Dieburg geköpft oder verbrannt worden sein. Das schaurige Ritual fand eine große Zuschauerzahl. Ob im alten Rom oder dem späten hessischen Mittelalter – „Exekutionen wurden als Volksfest gefeiert“, erläuterte Wagner.

 Dieburger Anzeiger vom 12.4.2010

 

 



 

 8. 4. 2010 - Hans Dörr erhält die Ehrenplakette der Stadt Dieburg

 

Dieburg (jd) ‐ „Es ist ihm ein persönliches Anliegen, gerade durch die Verbindung von Traditionellem und Neuem und deren entsprechender Weiterentwicklung das Interesse der Mitbürger an ihrer Heimat zu wecken.“ So steht es in dem Papier, in dem die Verleihung der „Ehrenplakette der Stadt Dieburg“ begründet wird. 

 

 

Allein schon deshalb bemerkenswert, weil sich die Parteien in diesem Fall durch die Bank einig waren. Noch viel bemerkenswerter ist derweil die Person, der die Ehre zuteil wird: Der Dieburger Heimatforscher Hans Dörr wird die „Ehrenplakette“ in Kürze erhalten.

Mit der „Verbindung von Traditionellem und Neuen“ haben die Stadtverordneten in ihrer Begründung den Nagel auf den Kopf getroffen, wie beim Besuch in Dörrs Heim schnell klar wird. Der Computer steht dort unmittelbar vor einer beeindruckenden Bücherwand, an die sich Akten über Akten – jedoch wohlgeordnet - anschließen.

Essgerechte Aufarbeitung der Vergangenheit

Google und Staatsarchiv – moderne und traditionelle Recherchemöglichkeiten zugleich verwendet Dörr bei seiner Arbeit. Stets auf der Suche nach dem besten Ergebnis und mit dem Ziel, Historisches „essgerecht aufzubereiten“, wie der 79-Jährige sagt.

Ich bin ein fleißiger Archivgänger, immer auf der Suche nach etwas Neuem“, sagt der gebürtige Dieburger, der indes 40 Jahre im Schaafheimer Ortsteil Mosbach wohnte und als Lehrer arbeitete.

Dort begann er sich auch vermehrt für die Vergangenheit zu interessieren: „Wenn ich etwas entdeckt habe – etwa ein altes Gewölbe – wollte ich wissen, was es damit auf sich hatte“, erzählt Dörr. Immer mehr vertiefte er sich in die Materie - aus eigenem Interesse.

Heimatforscher mit guter Trefferquote

Zunächst war die Region Bachgau Mittelpunkt seiner Arbeit, zu Dieburg forschte er erst verstärkt, als er nach seiner Pensionierung zurück in die Stadt an der Gersprenz zog. „Dieburg wurde zwar schon ziemlich gut erforscht, dennoch finde ich immer wieder etwas Neues“, sagt Dörr. Der damit sein Licht ziemlich unter den Scheffel stellt: Das Buch „Dieburg im Teutschen Krieg 1618-1648“ (zusammen mit Werner Straszewski) und seine Recherche zum ältesten Zinsbuch der Stadt Dieburg aus dem 15. Jahrhundert sind nur zwei Beispiele von etlichen, in denen Dörr ein Stück Stadtgeschichte für die Nachwelt erhalten hat.

Das Stöbern in den Archiven ist wie eine Droge“, lacht Dörr. Entsprechend kann er bis heute kaum genug bekommen vom Wissen, das die Vergangenheit in Schriftform hinterlassen hat. Jeden Montag ist er mehrere Stunden lang Gast im Darmstädter Staatsarchiv, hat aber auch Archive in Mainz, Frankfurt und Würzburg schon mehrfach abgeklappert. „Nur selten findet man nichts“, spricht der sympathische Heimatforscher von seiner guten Trefferquote.

Aktenlesen erfordert viel Übung

Das Internet macht er sich manchmal im Vorfeld seiner Suche zunutze, findet online Verweise auf Akten, die er dann offline studiert. „Das Lesen der Akten allerdings erfordert jahrelange Übung“, sagt Dörr.

Schriftstücke aus dem Jahr 1450 etwa seien wegen Sprache und Schrift nicht einfach zu entziffern. Nicht selten muss er auch sein bestes Latein hervorholen, um weiterzukommen. Englisch und Französisch – beides lernte er in der Schule – kommen bei den Recherchen des Heimatforschers dagegen kaum zum Einsatz.

Seine Frau Elisabeth erdulde seine Leidenschaft eisern, schmunzelt Dörr derweil. Dass er nun die Ehrenplakette der Stadt Dieburg erhalte, komme für ihn überraschend, stelle aber eine große Ehre für ihn dar. „Das macht mich schon stolz“, erklärt der Dieburger, der heute in sieben Geschichtsvereinen Mitglied und seit zehn Jahren im Vorstand des Dieburger Heimatvereins tätig ist.

Auf der Spur eines Dieburger Kirchenraubs

Als unterhaltsamer wie informativer Referent ist Dörr ebenfalls gefragt – und wie zum Beweis klingelt am Ende des Gesprächs mit dem DA das Telefon: Hans Dörr wird wegen eines Grußworts angefragt.

Fraglich ist unterdessen, ob er dazu Zeit finden wird – die nächsten spannenden Forschungsergebnisse sind bereits im Entstehen. „Zurzeit bin ich auf der Spur eines großen Dieburger Kirchenraubs“, verrät Dörr schon mal.

Text und Bild: Jens Dörr/Dieburger Anzeiger vom 8. 4. 2010

 



5. 3. 2010 - Jahreshauptversammlung des HVD im Badhaus

 

"Es war ein Stück meines Lebens und ich habe mein Herzblut eingebracht", erklärte Anne Sattig, die den Heimatverein seit 1996 leitete. Sie gab während der Mitgliederversammlung am 5. März 2010 den Vorsitz aus persönlichen Gründen ab. Maria Bauer wurde einstimmig als neue Vorsitzende gewählt. Als Abschiedsgeschenk wünschte sich Frau Sattig eine Spende für Haiti. Hans Dörr dankte ihr in einer heiteren Würdigung für die geleistete Arbeit, der Vorstand schenkte ihr ein Bild, auf dem alle Vorstandsmitglieder im Nachtwächterkostüm dargestellt sind. Frau Sattig wird dem HVD verbunden bleiben und sich auf die Themen Stadtführung, Nachtwächter-Rundgänge und Mühlturm konzentrieren.

 

In der gleichen Veranstaltung wurden die Mitglieder Hans Dörr, Ellen Terjung, Karl-Heinz Wagner, Annemarie Wagner, Erhard Krocker, Joachim Steinmetz, Karin Ginsel, Helmut Seib,und Angelika Vester für zehnjährige Treue geehrt.

 

 Von links: Hans Dörr, Ellen Terjung, Anne Sattig, Karl-Heinz Wagner, Erhard Krocker, Joachim Steinmetz,  Maria Bauer

Fotos Verena Scholze, Text H G Schirling/V Scholze

 

Heimatverein Dieburg e. V. - Vorsitzende Maria Bauer - Tel. 06071-5238  | Kontakt: bauer@heimatverein-dieburg.de